Meine Geschichte 3 Die Vorstelllung Gerald Ganglbauers im Forum der Parkinsonberatung 2007 – 2015

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Verfasst: 12 Apr 2011, 01:48 
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Liebe Freunde

Ich hoffe, ihr hattet an diesem Weltparkinsontag etwas besseres zu tun, als ihn so wie ich in einem Krankenhausbett zu verbringen...

Mit meinem Lungeninfarkt bin ich über den Berg. Die Blutwerte haben sich normalisiert, ich komme auch ohne Sauerstoff aus und brauche kein Morphium mehr. Die behandelnden Ärzte haben mich daher in die Obhut meines Hausarztes übergeben, aber mir gleich für drei Monate Flugverbot erteilt. D.h. ich muss leider alle geplanten Österreich-Termine absagen und mir überlegen, ob ich eventuell Juli/August/September nach Wien und Graz komme.

Aber erst einmal werde ich ich einer stressfreien Genesung widmen. Ich muss mich selber darum kümmern, denn ich bin ja nicht der Vizekanzler, den man gleich auf Kur schickt :wink:

Liebe Grüsse
Gerald


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Verfasst: 23 Jul 2011, 08:20 
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Liebe Freunde

Wieder ist die Zeit so schnell vergangen. Je langsamer ich werde, desto schneller läuft die Uhr, wie es scheint. Die drei Monate Flugverbot sind um und nächste Woche setze ich daher den Weg nach Österreich fort. Ende Juli mit ärztlich verordnetem Stopover in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im August und September werde ich in Wien und Graz sein und einige von euch wieder treffen. Ich freu mich darauf.

Was mir allerdings Sorgen macht (obwohl wir Betroffenen es längst wissen, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen) ist das Fortschreiten der Krankheit. Das geschieht etwa im gleichen Tempo wie die Genesung von einer Lungenembolie. Und abgerundet wird das ganze noch von zusätzlichen Wehwehchen, die eins nach dem anderen dazu kommen. Jedes einzelne davon hätte mich als Gesunder genervt, aber im Vergleich zu Parkinson ist das eigentlich gar nix.

Aber so ist das Leben, g'hupft wie g'hatscht, wie man in der Steiermark zu sagen pflegt. Besser werden wir nimmer, aber gut sind wir immer noch. Und mit Kampfgeschrei fahr'n Andreas und ich in die Tschechei :wink:

Liebe Grüsse und bis bald
Gerald

PS.: Wie bin ich froh, dass Lebensqualität so ein dehnbarer Begriff ist.


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Verfasst: 12 Dez 2011, 04:03 
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Liebe Leser

Wieder sind etwa sechs Monate ins Land gezogen. Es ist so viel passiert. Ich habe inzwischen meinen Hauptwohnsitz nach Österreich verlegt. Es ging mir so schlecht wie nie, und ich war im selben Zeitraum glücklich wie schon lange nicht mehr. Zeit für ein Update.

Den ersten Monat im zweiten Halbjahr 2011 war ich noch vollauf damit beschäftigt, mich in Sydney von meiner Lungenembolie zu erholen. Als ich wieder flugtauglich war, flog ich zu meiner damaligen Partnerin – mit der ich mit Unterbrechungen drei Jahre zusammen war – nach Perth, Western Australia und arbeitete mit der dortigen Patientenorganisation, Parkinson’s WA, an einem virtuellen Selbsthilfe-Netzwerk. Es sah alles nach einem ruhigen Alltag aus. Strandleben, Ausflüge aufs Land, gut essen und trinken, Kartenspielen und dabei stetig an Gewicht zunehmen. Ich dachte mir, that’s life as good as it gets und machte mich im August nichtsahnend über die Emirate auf den langen Weg nach Wien, zum jährlichen Auslandsösterreicher-Treffen.

In Österreich, meiner alten Heimat angekommen, wuchs jedoch überraschend schnell neue Liebe in meiner unmittelbaren Nachbarschaft heran und nach einer telefonischen Trennung von meiner Partnerin folgten die drei wohl schönsten und erfülltesten Monate seit mich Parkinson begleitet. Die Liebe verleiht bekanntlich Flügel und ich genoss die spürbaren Verbesserungen meiner Lebensqualität, entdeckte Wellness und Radfahren, heimische Kulturangebote sowie herzlichen Familienanschluss. Ich ließ mein Rückflugticket verfallen und lebte mit meiner neuen Frau ein glückliches Leben. Ich hoffte, dass noch 10, 15, oder 20 gemeinsame, gesundheitlich noch relativ gute Jahre vor uns liegen würden. Vielleicht war es die erfolglose Umstellung der Medikamente (Stalevo/Sifrol auf Stalevo/Requip) die mich belastete, eine damit verbundene Gemütsveränderung, oder was auch immer, diese Beziehung endete abrupt und ich sah mich vor einem Monat plötzlich gezwungen, eine eigene Wohnung einzurichten und allein zu beziehen.

Diese Liebe hat mich diesmal in Österreich festgehalten und – auch wenn sie zerbröckelt scheint und nur durch ein Wunder wieder erwachen könnte – ich bin und bleibe nun einmal bis auf weiteres hier, trete im Jänner meinen ersten Reha-Aufenthalt in Bad Radkersburg an und erlebe den ersten Winter nach einem mehr als zwei Jahrzehnte dauerndem endlosen Sommer in Australien. Ich freue mich wie ein Kind darauf, einen Schneemann zu bauen. Irgendwie macht mich der Verlust der Geliebten zwar sentimental, andererseits wird es aber sicher spannend, mich wieder in meiner alten Heimat als Parkinson-Single zu verwurzeln.

Es wird schon gelingen, denke ich. Beim House Warming (Wohnungseinweihung) am Wochenende haben mich liebe Nachbarn und alte Freunde sehr herzlich willkommen geheißen. Mein soziales Netzwerk in Graz ist ein gutes. Parkins(on)line in der Steiermark funktioniert, auch ohne einen Landesverband. Einziger Wermutstropfen: Der Schutz der Nichtraucher liegt hierzulande zu meinem Leidwesen noch weit hinter dem Rest der zivilisierten Welt, was gerade nach einer Lungenembolie täglich eine Herausforderung darstellt, für die rücksichtslose Raucher wenig Verständnis aufbringen. Allein beim Durchschreiten des dick verqualmten Raucherbereiches im vorderen Teil meines Stammgasthauses muss ich die Luft anhalten, bis ich in den Nichtraucherbereich gelange. Da lobe ich mir das rauchfreie Australien.

Ansonsten stelle ich mich gerade wieder auf Stalevo/Sifrol zurück um und hoffe, meine Schlafstörungen damit wieder in den Griff zu bekommen. Da ich wegen des starken australischen Dollars, mit dem meine Mieteinnahmen in Australien umgerechnet werden, trotz einer lächerlich kleinen Pension um die Ausgleichszulage umgefallen bin, habe ich einen Antrag auf Pflegegeld gestellt und bin schon gespannt, wie er beschieden wird. Ich habe jedenfalls genug auf der Bank, um weitere sechs Monate hier zu leben. Bis dahin hoffe ich, eine endgültige Entscheidung treffen zu können, wo ich mich niederlasse, um eine der beiden Wohnungen zu verkaufen. Zwischen Australien und Europa ständig weiter zu pendeln, verträgt sich nimmer mit Parkinson – und schon gar nicht mit einer festen Beziehung.

Schlaflose Grüße aus Graz
Gerald


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Verfasst: 12 Dez 2011, 12:38 
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Lieber Gerald,

danke für deinen sehr persönlichen Beitrag.

Ich finde es gut, wenn du deinen Lebensmittelpunkt wieder in Österreich hast!

Alles Gute,

WG


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Verfasst: 12 Dez 2011, 15:17 
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Lieber Gerald!

Auch wir freuen uns, dass du jetzt im Lande bleibst, wir hoffen, dass wir einander nach unserer Rückkehr in Wien zu einem Foto- und Erzählabend sehen werden.

Anita & Wolfgang

_________________
Ein gesunder Mensch hat 1000 Wünsche,
ein kranker nur einen:
gesund zu werden!


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BeitragVerfasst: 12 Dez 2011, 18:42 
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Lieber Gerald,
welcome home mit einem kleinen Geschenk

http://www.youtube.com/watch?v=LFpfureaCVs :wink:

Liebe Grüße Manfred


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BeitragVerfasst: 16 Dez 2011, 14:35 
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Nachtrag zum Update vom 12.12.2011:

Heute erhielt ich den Bescheid der SVA mit der Post. Mein Antrag auf Pflegegeld wurde abgelehnt. Das ist insofern OK, als ich mich (noch) nicht als Pflegefall betrachten muss. Die gute Nachricht parallel dazu ist, dass meine australische Disability Support Pension eingestellt wurde (anders als die Alterspension wird DSP bei Aufenthalt im Ausland nur 13 Wochen lang weiter bezahlt), was für mich bedeutet, dass ich in Österreich wieder das Recht auf volle Ausgleichszulage zu meiner kleinen Pension habe. Für alleinstehende Pensionistinnen/Pensionisten sind das 793,40 Euro. Das reicht zum Leben.

In Herzensangelegenheiten ist noch alles (auch ein Wunder) offen. Schauen wir einmal, was das Fest der Liebe bringt. :wink:


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Verfasst: 30 Dez 2011, 10:02 
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Gerald hat geschrieben:
In Herzensangelegenheiten ist noch alles (auch ein Wunder) offen. Schauen wir einmal, was das Fest der Liebe bringt.

2. Nachtrag zum Update vom 12.12.2011:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Judith und ich sind wieder zusammen und unsere Liebe ist in den sieben Wochen Trennung sogar noch stärker geworden. Alles ist wieder gut...


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Verfasst: 30 Dez 2011, 13:49 
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Beiträge: 274
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Lieber Gerald,
ohne Worte in Erinnerung an unser Gespräch - freu mich für dich
Manfred
http://www.youtube.com/watch?v=vQh112HQ ... oEjoUWJ5F1 [/url]


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Verfasst: 05 Jan 2012, 23:37 
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Registriert: 18 Sep 2010, 05:11
Beiträge: 449
Ein Jahr der Zufriedenheit, Monate der Gesundheit, Tage der Freude, Stunden der Freiheit,
Minuten der Einsamkeit, Sekunden derTraurigkeit, doch ein Leben lang die Gabe die Liebe als dass
zu ERLEBEN was SIE ist
ein GESCHENK..............Vertrauen, sich jemanden anvertrauen können ist ein Geschenk.
Wohlfühlen, sich bei dem Selben wohlzufühlen ist ein Geschenk.
Hingabe, sich dem Selben Menschen hinzugeben ohne wenn und
aber ist ein Geschenk.
Gehört werden (zu und an) ist ein Geschenk
Lust miteinander aufeinander in allen Facetten der Leidenschaft
zu erfahren ist ein Geschenk.
Gegensätzliches mit den Augen des anderen VERSUCHEN zu
betrachten ist ein Geschenk.
Jemanden gefunden zu haben der wegen einem selbst da ist, und
die Mühsal auf sich nimmt den selben Weg zu gehen
ist ein ...................
Sich anzusehen und jeder kann das Leuchten der Augen seines
gegenüber erkennen und EMPFANGEN
dann ist dass ein ..................



Wer mich kennt weiss dass ich mit dieser "GEFÜHLSDUSELEI" mit diesem Schmarrn von
Rosarot bis blauäugig, dieser romantischen Unwirklichkeit, WORTE AN WORTE REIHEN
KÖNNTE bis zum , ja........is ja egal.......ICH BIN über diese Wörter .....Wunder,,,,Zeichen...
nach 7.........noch stärker.......so berührt worden...weil ich die Liebe dahinter spüre
weil ich mir ...............!!!!dass was jetzt kommt!!! schreibe ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte
ohne irgend einer von Aussen einwirkenden Beeinflussung (alc. Medika......)

Ja, liebe Judith und lieber Gerald. Weil ich es mir damals gewünscht habe dass ihr zu einander findet.
ich hab dieses Geschenk erst heute gelesen.....darum ,,,,!! IH woass eh ih ...geh wos
IH WOA OAFOCH GLÜCKLICH un des is a Geschenk wann ma sie üba des Glick von ondare
so gfrein kann dass ma de glückshormone frei sprudl´n gspiat.......
ia zwoa hoits eng fest an eichre Händ und gehts eichan Weg mit dea geduid von Eseln.
der Wachsamkeit von Luchsen,

Mögen es die schönsten Jahre für EUCH WERDEN!
GUE
WER VON DER FRUCHT "LIEBE" JE KOSTEN DURFTE, WIRD DIESEN GESCHMACK
sein LEBEN NICHT VERGESSEN!

_________________
HEJ = der schwedische Gruß
heisst soviel wie"ich begegne dir herzlichst!


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 Betreff des Beitrags: Zirkusmenagerie
Verfasst: 23 Mai 2012, 08:50 
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Zitat:
Was sich als einzig wirkliche Konstante im Leben mit der Krankheit herauskristallisiert, sind meine Freundschaften unter uns Betroffenen. Traurig, aber wahr. Eine Zirkus-Menagerie.


Da steht sie nun wieder die Zirkusmenagerie – zurück gesetzt vom Server und unbeeinsprucht.
Zwar zähle ich mich zu deinem Freundeskreis lieber Gerald jedoch lasse ich mich in keinen Setzkasten stellen. Und das nicht etwa deshalb weil ich dafür inzwischen zu breit geworden bin sondern weil ich LEBE! Ich lebe mein Leben und wertschätze meine Freunde und sehe keinen davon als Zirkuspferd oder Clown . Wertschätzung Freunden gegenüber bedeutet Zuhören, Freud und Leid teilen und auch manchesmal zurückstehen. Aber das lehrt das Leben und wer dies nicht annehmen will der wird früher oder später alleine in der Manege stehen. Liebe und lieben bedeutet Geben. Von sich. Deine Menagerie magst du abstauben jeden Tag bis du ihr irgendwann einmal überdrüssig wirst und du sie auf ebay verkaufst. Freunde wollen gepflegt sein und sind unverkäuflich. Und unwiederbringlich.
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Wiedergeburtstag. Schön dass es dich gibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Geralds Geschichte
Verfasst: 19 Mai 2013, 09:31 
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Beiträge: 788
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Eine Nachlese meiner Geschichte wird in Gangway #45 im Herbst 2013 erscheinen.

Der ganz langsame Abstieg
www.gangway.net

Liebe Grüße
Gerald

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Geralds Geschichte
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 Betreff des Beitrags: Re: Geralds Geschichte
Verfasst: 26 Mai 2013, 09:40 
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Zitat:
Von: Maria Grosz
Betreff: Der ganz langsame Abstieg
Ich habe gerade die Lebensgeschichte wieder einmal gelesen. Wie ist es nach dem 3. Feber weiter gegangen? Wann kommt die Fortsetzung?

Danke für das Feedback. Ich werde die Geschichte hier zunächst so stehen lassen. Sie geht im Buch weiter. Aber natürlich werde ich Updates posten, wenn es etwas zu berichten gibt. Seit Ende April (Ostern) lebe ich wieder in Graz und in den nächsten Tagen erwarte ich die Schiffsladung aus Sydney. Die australischen Zelte sind nach 25 Jahren abgebrochen...

"Unsere Wurzeln sehen heute anders aus als die traditionellen Wurzeln von früher. Was uns Halt gibt, kommt nicht mehr aus einem festen Stück Erde. Es sind eher Luftwurzeln, die sich in alle Himmelsrichtungen ausstrecken können. Wenn man an einen anderen Ort zieht, ist es nicht, als reiße man hier die eigenen Wurzeln aus und pflanze sie dort wieder ein. Ein Mensch mit Luftwurzeln ist an keinen bestimmten Ort gebunden." (Gerald Ganglbauer)

Liebe Grüße
Gerald

_________________
Geralds Geschichte
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Das Forum der Parkinsonberatung wurde von Dr. Willibald Gerschlager und Gerald Ganglbauer aufgebaut und war von 2007 – 2015 das Kernstück der österreichischen Parkinson-Szene.